Informationen zur Euthanasie in Österreich

Aus Familia Austria
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Information für Familienforscher

In vielen Aufstellungen von FamilienforscherInnen finden sich bei Verstorbenen der Jahre 1940 und 1941 Hinweise auf Todesfälle in den Anstalten Bernburg, Brandenburg, Grafeneck, Hadamar, Pirna-Sonnenstein und Hartheim.

In diesen Orten wurde durch die „Organisation-T4“ (benannt nach dem Sitz der Zentraldienststelle in der Tiergartenstraße 4 in Berlin) Tötungseinrichtungen für behinderte und psychisch kranke Menschen eingerichtet. Zwischen 1940 und 1941 wurden in diesen Tötungseinrichtungen über 70.000 Menschen in Gaskammern mit Kohlenmonoxyd ermordet.

Diese Orte sind Hinweise darauf, dass die Personen Opfer der NS-Euthanasie in Tötungsanstalten geworden sind. Die „Aktion T4“ war ökonomisch strukturiert, das bedeutet, dass alle Opfer in die geographisch nächstgelegene Tötungseinrichtung überführt wurden.

In allen T4-Tötungsanstalten waren Sonderstandesämter, die nur während der NS-Diktatur bestanden, eingerichtet. Todesorte wurden von den TäterInnen der „Aktion T4“ zum Teil systematisch gefälscht und der wahre Todesort verschleiert. Um Angehörige und die Öffentlichkeit zu täuschen vollzogen die Einrichtungen den so genannten Aktentausch. Dies bedeutet, dass Personen an Orten als verstorben gemeldet wurden, an denen sie nie gewesen waren. Viele „österreichische“ Opfer „starben“ daher offiziell z. B. in „Brandenburg“, „Grafeneck“ oder „Pirna-Sonnenstein“ und im Gegenzug „starben“ deutsche Opfer oftmals in „Hartheim“.

Sollten Sie bei Ihren Forschungen also auf die Anstalten Bernburg, Brandenburg, Grafeneck, Hadamar, Pirna-Sonnenstein und Hartheim stoßen oder bereits gestoßen sein und haben dies in Ihren Aufstellungen so festgehalten, sind die Todesorte möglicherweise und die Todesursachen jedenfalls falsch.

Um diese Fehler auszubessern, können Sie sich gerne über die NS-Euthanasie auf unserer Homepage www.schloss-hartheim.at informieren oder mit mir in der Dokumentationsstelle Hartheim des oberösterreichischen Landesarchivs (dokumentation@schloss-hartheim.at) Kontakt aufnehmen.

Sollten Sie mehr über die Geschichte der NS-Euthanasie erfahren wollen empfehle ich Ihnen folgendes Buch:

Brigitte Kepplinger, Gerhart Marckhgott, Hartmut Reese (Hg.), Tötungsanstalt Hartheim, Linz 2013, 3. Auflage, (Oberösterreichisches Landesarchiv – Oberösterreich in der Zeit des Nationalsozialismus, 3. Band)


Mag. Peter Eigelsberger

Leiter Dokumentationsstelle Hartheim

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